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Gesehen! 18. Wacken Open Air / Wacken, Auf der Wiese, 1. Tag: 04.08.2007

Die Entdeckung der Langsamkeit

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: Stephan Kunze

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Wir sagen es lieber gleich: Wir haben gedopt. Natürlich. All die Wacken-Jahre lang. Denn wie man 40 Bands in drei Tagen mitverfolgen oder -schreiben oder gar fotografieren können soll, ohne seine Zuflucht zu Helferlein wie Peptidhormonen, quervernetztem Hämoglobin, Doppelherz usw. zu nehmen, das müssen uns andere sagen. Nun aber wenden wir uns hiermit lieber geständig an Öffentlichkeit und Sponsoren, noch bevor die B-Probe geöffnet wird...

Wacken Open Air 2007

All dies ist ja nun Vergangenheit. Es betraf frühere Festivalbesuche und Livereviews. Seit dieser Tour de Wacken sind wir sauber! Und entsprechend etwas gebremster unterwegs. Doch was den gebremsten Schaum angeht, befinden wir uns in exzellenter Gesellschaft von ca. 60.000 zahlenden Gästen dieses damit ausverkauften und weltweit größten Heavymetal-Festivals. Denn die müssen auf einem Gelände, das auch mit 50.000 schon wie ein Ameisenhaufen kribbelte, erstmal unterkommen. Heißt also: Stauen, stauen, stauen. Mit allen Hilfskräften, Presseleuten und Gästen eingerechnet sollen es 72.000 Anwesende gewesen sein. Und das scheint durchaus glaubhaft.

Das W:O:A hatte mit wirklich schwierigen Wetterverhältnissen in der Aufbau- und Anreisephase zu kämpfen. Für die Besucher bedeutete dies, dass sie teilweise - zumindest bei Anreise am Mittwoch - um die fünf, nach Zeugenberichten auch schon mal bis zu zehn Stunden im Verkehr rund um Itzehoe und Wacken feststeckten. Wer sich schließlich durchgekämpft hatte, wurde als Frühankömmling noch dadurch bestraft, dass er aufgrund der Bodenverhältnisse zu "car-parking-only"-Bereichen geleitet wurde. Von wo man dann seine Zelte und Klamotten per pedes zu den zugewiesenen Camping-Arealen transportieren musste.

Für die Veranstalter brachte der gemeldete Niederschlag von 350 Litern pro qm vor allem beträchtliche Zusatzmaßnahmen mit sich. Es wurde nicht kommuniziert, in welcher Zeiteinheit das runterkam. Die größte bisher in Mitteleuropa gemessene Niederschlagsmenge an einem Tag waren 345 Liter pro qm in Neuwiese/1897. Wie auch immer. Es war jedenfalls eklig nass auf dem Gelände! Um das Innengelände überhaupt begehbar zu machen (die Wacken-Webcam zeigte in der Vorwoche noch einen Badefreuden verheißenden See), musste der Boden abgetragen werden. 5.000 qm Vlies wurden verlegt, darauf 1.500 Tonnen Häckselgut verteilt und die Fläche mit 600 Rundballen Stroh versehen. Für einen sicheren Stand im Bühnenbereich wurde der Boden zusätzlich festgewalzt. Um die Campingflächen für die Besucher zu trocknen, hat ein Helikopter die Flächen in 60cm Höhe langsam überflogen und so das Areal trocken(er) "gefönt". O-Ton vom Wacken-Produktionsleiter Thomas Hesse: "Wir haben eine halbe Million Euro in diesen Boden gesteckt." Laut Aussagen der Veranstalter auf der alljährlich samstäglichen Pressekonferenz hatte man trotz alledem noch am Mittwoch kurz vor der Entscheidung gestanden, das Festival abzusagen. Habe sich dann aber doch für’s Durchziehen gemäß des "Rain or shine"-Mottos entschlossen.

Dass dies auch durchaus anders ablaufen kann, beweist das tragische Beispiel des für das Folgewochenende (10.-11.08.) mit u.a. Axxis, Saxon, Rose Tattoo geplanten Festivals "Rock-am-Schloss" bei >> Balve, das am Donnerstag vorher abgesagt werden musste. Das hat sicher viele Besucher enttäuscht, hat vor allem aber das Badland-Team um Jürgen Antoni, den Machern des legendären "Höhlenrocks", in den bitteren Konkurs getrieben.

 

 

Doch zurück nach Wacken. Hier ist zunächst einmal noch Warten auf den lichtbildnernden Kollegen Stephan angesagt, der noch auf der Baltrumfähre hängt. Wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn der nicht auch das Zelt auf dem Bike mit sich führen würde. Als es sich am Nachmittag doch noch einmal leicht einzutröpfeln beginnt, bewährt sich allerdings wieder die sprichwörtliche freundliche Umgehensweise der Wackensianer miteinander: Der zeltlose Schreiberling wird kurzerhand von gut bedachten Nachbarn eingeladen und überdies mit herzstärkenden Getränken traktiert. Dank und Grüße gehen dafür an die "Thou Shalt Lie"-Kommune!

Auf die x-mal gesehenen Sodom (allerdings heuer zugegeben mit Gästen wie Andy Brings, Grave Violator, Frank Blackfire oder Michael Hoffmann verstärkt) oder Rose Tattoo können wir nach Eintreffen des völlig durchnässten und durchfrorenen Kameraakrobaten, nach Zeltaufbau und Richtfest eingedenk unseres neuen Langsamkeits-Mottos ("Wir müssen uns nicht mehr alles antun") ja gerade noch verzichten. Bitter allerdings, dass der Zugang zu einer unserer Wunschbands in diesem Jahr überhaupt, TYR, auf der heute noch auf den Namen "Hellfest Stage" hörenden W.E.T. Stage völlig verstopft ist. Wir waren und sind in der Hinsicht nicht empfindlich, aber es war wirklich nicht möglich, auch nur in Hörweite der Färöer Ausnahmeband zu kommen, so weitläufig umlagert ist das Zelt.

Bleiben uns aber natürlich die nimmermüden Saxon – des Fotografen Favoriten und des Schreibers Running Gag... Geboten wird abermals zugegeben schwer erarbeitete britisch-metallische Hausmannskost, aufgepeppt beispielsweise durch Tobias Sammets (Edguy, Avantasia) Gastauftritt und Sangeseinlagen zu "747". Auffallend neben den schandschlechten Hintergrundprojektionen - zwischen Pacman und Ministeck - sind auch das dem W:O:A gewidmete "Let Me Feel Your Power" sowie das balladierende "Red Star Falling". Und auffallend höchste Zeit, in den Schlafsack zu plumpsen!

 

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W:O:A 2007 at a glance

GOODIES

- Band-Mix.

- Das Festival bei dem zuvorigen Wetter überhaupt ans Laufen bekommen zu haben.

- Moonspell! Turisas, Amorphis, Disillusion.

- Nur 10 Minuten anstatt wie in Vorjahren 2 Stunden und 10 Minuten in der Akkreditierungsschlange verbracht.

- Becks statt Hasseröder.

- Verlegung der Partystage, dadurch etwas weniger Soundbrei bei parallelen Auftritten (aber vgl. Communic und Amorphis).

- Fressmeilen- und MetalMarket-Bereich, "Full Metal Poker" als Bereicherung.

- 10er-Karten für Klobenutzung - mit Mengenrabatt ;-)

- Labskausbude von "Labskaus-Lars" wieder am Start, bestes Futter der gesamten Fressmeile.

- Geldautomaten und Münztelefone - why not?

- Viel mehr Hand- und weit weniger Galgen-Kameras auf den Bühnen, bessere Sichtverhältnisse.

 

NOT SO GOODIES

- Mit gemeldeten 72.000 Menschen ist das Gelände überfüllt. Die Zeiten, wo man lässig von z.B. der Black- zur W.E.T.-Stage wechseln und so zwei Bands "gleichzeitig" sehen konnte, sind wohl erstmal vorbei. Im Gegentum muss man sich bei solchen Bevölkerungsverhältnissen lange vor einem Gig anstellen, um noch irgendwas sehen (oder gar fotografieren) zu können.

- Der Eingang zur neuen Party Stage war zu eng und damit ein unnötiger, bei diesen Besucherzahlen sogar gefährlicher Flaschenhals.

- TYR auf der WET-Stage geht gar nicht.

- Dümmliche Werbung (für Congster, Cola & Co., voll lifestylig) anstatt der bewährten und beliebten Running Order-Hinweise auf den Projektionsflächen.

 

 

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Links:

>> Festivalinfo Wacken Open Air 2007 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2006 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2005 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2004 bei POP FRONTAL

>> Homepage W:O:A

>> Homepage Sodom

>> Homepage Tyr

>> Homepage Saxon

 

 

Saxon

Saxon

 

 

Saxon

Saxon

 

 

Trockendock

Trockendock

 

 

Gut behütet

Gut behütet

 

 

Sodom

Sodom

 

 

Sodom

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Community

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