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Gesehen! Winternachtstraum 2005 / 1. Tag: 11.2.05, Arnsberg-Oeventrop, Schützenhalle

Event mit Biss

Text: Klaus Reckert     Fotos: Stephan Kunze

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Der Hochsauerlandkreis – unendliche Weiten... Unsere Reise führt uns vorbei an lieblichen Galaxien wie Drögenpütt oder Niedereimer, die wohl kaum je ein Mensch zuvor gesehen hat. Unser Ziel der "Winternachtstraum". Was zunächst klingt, wie eine stinkige Aromatee-Sorte, ist aber tatsächlich eines der feineren Midsize-Metal-Festivals von ganz erstaunlichem Härtegrad, etwas arg viel Technikpech, aber dafür auch einem einfach enorm glücklichen Händchen bei der Bandauswahl.

Bäd Influence @ Winternachtstraum

Bissig: Bäd Influence

Nach Überstehen der odysseehaften Anreise (die uns das voraussichtliche Vergnügen mit den ersten zwei Bands Bereaved und Mindcrime gekostet hat), verschlägt es uns erst mal den Atem. Die Schützenhalle zu Oeventrop ist ein geräumiges, aber voll mit Fenstern versehenes, teils geschiefertes und innen komplett mit Holz verklinkertes Fachwerkhaus, das offensichtlich ansonsten der hiesigen St. Sebastianus Schützenbruderschaft als Zuflucht für ihr grünbuntes Treiben dient. Die blackmetalverdächtigen Inschriften an der Wand lauten denn auch z. B. so: "Der Heimat die Liebe / die Treue dem Brauch / so dachten die Väter / so denken wir auch"...

Wie auch immer – das seit 2004 bereits zum zweiten Mal stattfindende Festival ist bei unserem Eintreffen zwar noch nicht überlaufen voll, aber schon im schönsten Schwunge, und die merkwürdige "Konzerthalle" kann bereits ihre nicht zu verachtenden Vorteile ausspielen: zwei getrennte Bereiche für Publikum, das die aktuelle Band anbeten oder aber vor dieser lieber flüchten will; sagenhaft gute Akustik; beste Atemluftverhältnisse.

Ausspielen tun sich unterdessen auch Guerilla... Diese nach Aussage von Experten "Todesbleier und Sexualexperten" hatten offensichtlich bereits das WNT-Billing in 2004 geziert. Der heutige Auftritt machte nachvollziehbar, warum auch heuer wieder Guerillakrieg angesagt war: Die Sympathen um Timur Slapke haben einen Melodic- Death-MetalCore-Stilmix am Start, der sehr eigenständig ist und spontan in den Bann schlägt. Für ein Stück entert überdies Horn, der hauptamtliche Mikrofonzerstörer von Jack Slater und seit kurzem auch Sänger von Temple Of The Dead, die Bühne und lässt markerschütternde Death Growls hören und ein Stage Acting sehen, das ihm anderswo eine 1A-Entmündigung einbringen würde. Toller Einstieg (für uns) ins winternächtliche Treiben!

Bäd Influence kannten wir nicht, hatten nichts Besonderes erwartet und erlebten gleich neben einer Überraschung auch den heimlichen Headliner des Festivals: Die Hamburger Kapelle um Sänger Marc Brühning (sieht aus wie eine seit zehn Jahren unter der Brücke umgehende, etwas rundlichere Ausgabe von Dani Filth) und Gitarristin/Sängerin/Hauptkomponistin Julia K. Pruns hat, wie u.a. auch ihr aktuelles Album "Fe4r" beweist, knackigen, auf den Punkt gespielten Heavy Metal der fröhlichen, völlig unpeinlichen Sorte im Programm. Genau wie das Album hebt auch der WNT-Auftritt mit einem gar gruseligen Didgeridoo-Intro für das Titelstück an, ein weiteres Blassolo geht leider in einer der ersten der in diesen zwei Tagen nicht abreißen wollenden Technik-Fuck-Ups unhörbar unter. Doch das Quintett geht mit Pannen ähnlich souverän um, wie mit ihrem Material. Marc: "Schon das zweite Lied - und jetzt erst der erste Knoten im Mikrofonkabel".

Auch vom neuen Opus ist das begeisternde und wirklich - wenn auch augenzwinkernd - deutlich nach Araya & Co. klingende "The Slayer". Aus einer älteren Kiste stammt das folgende, verdammt guten hanseatischen Rock'n’Roll abgebende "Verdammt". Kaum glaublich, was danach aus dem Cure-Cover "Lullaby" für Funken geschlagen werden. Das gleichfalls neue "Mindfields" glänzt vor allem durch tollen, vier- bis fünfstimmigen Satzgesang. Mit "Vampyre Too" erreicht die Bühnenshow ihren Höhepunkt, denn hier wird live gebissen. Nachdem der entsprechend geschminkte Marc seine Partnerin vor unseren Augen gleichfalls zur Untoten gemacht hat, schickt er sie zur weiteren Verbreitung wieder ins Publikum: "Lasst Euch beißen, das klappt hervorragend, das machen wir schon seit tausenden von Jahren so", ermutigt der begnadete Entertainer sein Sauerländer Publikum. Mit der Hymne "Metal Is Metal" (sowas wie J.B.O. in gut) und "Invisible Sun" (bei dem die Band an eine Mischung Crashtest Dummies und End Of Green erinnert) klingt ein Auftritt aus, der begreiflich macht, warum BI schon beim letztjährigen Festival die Abräumer waren. Damals übrigens sogar mit gleich zwei Gigs (einem davon als die Coverband Wörst Influence)!

Der Auftritt von Temple Of The Dead beginnt wieder einmal mit Technikproblemen – diesmal funzt die DVD-Einspielung nicht. Als sie dann doch noch ans Laufen kommt, erleben die (mittlerweile) knapp 500 Zuschauer eine so gespenstische ("Walt Deadney Presents") wie professionell gemachte Trickfilmsequenz rund um einen bitterbösen Weltversklaver und seinen Hexenkessel, die zum "Nu DeathCore" des flammenneuen Orden Ogan-Sideprojekts überleitet. Es besteht aus dem bereits vom Guerilla-Gastauftritt bekannten Sangesirren Horn sowie aus dem OO-Gitarristen und Chef Seeb, Schlagwerker Sebastian sowie Keyboarder Nils (hier: am Bass). Hat die erste Nummer noch doomig-schleppende Passagen, so geht es ab Track Two mit geisterhaft schnellen Beats und verzerrtem Gesang à la Machine Head zur Sache. Zu Horns Bühnenshow gehört es, sich selbst zu schlagen und wohl auch zu verletzen. Das passt aber irgendwie zu den brachialen Ausbrüchen einer Musik, die teils wie Bolt Thrower auf Fast Forward klingt und die ersten Crowd Surfer des Festivals in die Lüfte treibt. In jedem Falle ein Erlebnis, das z. B. im Dezember beim "Brainslaughter Festival" zu Köln fortgesetzt werden kann. Auch eine Mini-CD hat man schon am Start, eine Split-CD mit Absence sowie ein eigenes Langspieleralbum sind in der Planung.

Noch lange nicht den letzten Atemzug verkeuchen und verbrüllen nach einer abermals nur 15 Minuten währenden Umbaupause Final Breath. Ihr arg simpel gestrickter ThrashCore ist allerdings einfach nicht unsers, wie sich u.a. beim flotten "Greed For Revenge" oder beim schon gefälligeren, auch langsamere Passagen aufweisenden "Empty Eyes" (beide von "Let Me Be Your Tank") zeigt. Im Gegensatz zu uns zeigen sich aber im Publikum etliche vom Auftritt (dem ersten mit neuem Gitarristen Dennis Schneider) der Franken angetan.

Viel zu schnell verfliegt die Zeit, und nun ist es also Zeit für den heutigen Headliner Agathodaimon: Der sehnlichst erwartete Auftritt hinterlässt jedoch zwiespältige Gefühle. Zwar ist der intelligent gemachte, komplexe und majestätische Black Metal der Schwaben nach all dem NuMetal-Gehüpfe zuvor durchaus eine willkommene Abwechslung, gleichzeitig aber saufen viele der filigranen Details von z. B. "Tongue Of Thorns" (von "Higher Art Of Rebellion") im einzigen wirklich schlechten Bühnensound der ganzen zwei Tage schier ab. Immerhin die wunderbaren zweistimmigen Gitarrenparts von "An Angel's Funeral" sowie "Past Shadows" können sich gegen den grässlichen Matsch durchsetzen. Mit "Limbs Of A Stare" vom aktuellen Opus "A Serpent's Embrace" geht ein Gig, der weit unter den Möglichkeiten der Mainzer blieb, aber auch ein insgesamt wunderbarer erster Festivaltag zu Ende...

 

>> Zur Foto-Galerie, 1. Tag: 11.02.2005

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Links:

>> Homepage Winternachtstraum

>> Homepage Guerilla

>> Homepage Bäd Influence

>> CD-Rezension (21.02.05): Bäd Influence - Fe4r

>> Homepage Temple Of The Dead

>> Homepage Jack Slater

>> Homepage Final Breath

>> Homepage Agathodaimon

 

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