Über die Jahre hat das Trio die klassische Besetzung aus Klavier, Bass und Schlagzeug eigenwillig und beharrlich erweitert: um Synthesizer, Effektgeräte, Xylophon und Blockflöte. ENIGMA setzt diesen Weg fort - und verdichtet ihn.
Ein zentrales Thema der kompositorischen Arbeit von Philip Zoubek ist das Verhältnis zwischen akustischem und elektronischem Klang. Nicht als bloße Kombination zweier Welten, sondern als produktive Spannung: Verschränkung, Gegenüberstellung, gegenseitige Färbung und Destabilisierung. Wie lässt sich der akustische Klavierklang durch Elektronik subtil verstimmen, aufrauen, ins Wanken bringen? Wie kann ein elektronischer Impuls in akustische Strukturen einschlagen und sie von innen heraus verwandeln? Oft spielt Zoubek mit der linken Hand Klavier, während er mit der rechten den Synthesizer bedient. Aus diesem simultanen Zusammenspiel entsteht ein hybrider Klang, der zwischen den Temperamenten changiert ? von brutalen Glissandi und perkussiven Attacken über kammermusikalisch zarte, Marimba-artige Texturen bis hin zu glockenartigen Resonanzen und verzerrten Riffs.
Ähnliches gilt für den Kontrabass: Auch David Helm verfügt über ein weitreichendes Arsenal an Effekten ? Distortion, Ringmodulator, Octaver ?, mit dem er den klanglichen Raum in beide Richtungen auslotet: ins Brutale wie ins Filigrane.
Und auch Dominik Mahnig denkt das Schlagzeug über seine rhythmische Funktion hinaus: mit feinem Gespür für Klang und Melodie, etwa am Tischxylophon, öffnet er eine kammermusikalische Dimension des Trios. Das Titelstück "Enigma" entstand fast beiläufig. Beim Improvisieren mit Klavier und Synthesizer entdeckte Philip Zoubek bestimmte Programmierungen, in denen sich akustischer und elektronischer Klang auf eine Weise verbanden, die ihn nicht mehr losließ. Aus diesen Sitzungen kristallisierten sich wiederkehrende Klangtypen heraus, die heute das Zentrum des Stücks bilden: Glissandi unterschiedlichster Temperamente, gegeneinander verstimmte, fast naive Melodien, perkussive Texturen, Loops, verzerrte Riffs. Diese Elemente durchziehen das gesamte Stück, das sich in mehrere Teile gliedert ? eigenständige Kapitel einer größeren Erzählung, die untrennbar miteinander verbunden sind. Teilweise folgt ein Abschnitt organisch aus dem vorherigen, teilweise sind die Teile auf formal komplexere Weise miteinander verschränkt ? als Kontrast, als Bruch, als langsames Hinübergleiten. Gerade durch dieses immer neue Zurückkehren in vertraute Klangzonen entsteht das Enigmatische des Stücks.
ENIGMA wurde am 16. Juni 2025 im Kölner Loft aufgenommen. Toningenieur war Stefan Deistler; Mix und Mastering übernahm Jan Philipp. (Text: Presseinfo)

