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Gesehen! Blackmail / 24.03.2006, Hamburg, Uebel&Gefährlich

Tagebucheinträge in dunklem Licht

Text / Live-Fotos: Michael Kellenbenz

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Der Fan und eine Diva namens Blackmail. Jahrelange geführtes Tagebuch einer Beziehung, die nicht immer geradeaus verlief. Hochzeiten gab es. Wie auf dem Bizarre-Festival 2000, als sie morgens um 2 Uhr wohl eines ihrer eindrucksvollsten Konzerte zelebrierten. Doch die Koblenzer konnten den hohen Standard ihrer energiegeladenen Shows nicht immer halten. "Bliss Please" (2001) gilt zwar zurecht noch heute als Anti-Lethargikum der Wahl. Nach ihrem vollkommen uninspiriertem letzten Hamburg-Auftritt schien der Kredit im Norden aber fast vollends verspielt. Seit ihrem jüngsten Auftritt kann das Tagebuch nun jedoch weiter geschrieben werden.

Blackmail

Eine Zeit lang geht es in der Vergangenheit auf Blackmail-Konzerten nicht um die Musik alleine. Wenn im hiesigen Musikzirkus die Rede ist von charismatischen Frontmännern, deren Psyche geradezu spürbar düster wirkt, ist oft Aydo Abay gemeint. Reichlich wirre Ansagen und körperlicher Einsatz bis an die Schmerzgrenze tun ihr Übriges. Heute sind Blackmail vielleicht düsterer denn je. Dass Abay sich mit Ansagen fast gänzlich zurück hält, macht die Show dabei um einiges dichter, kompakter und melancholisch beklemmender. Hinter der Band kreisrunde Projektionen. "Jetzt haben sie Pink Floyd wiederentdeckt", konstatiert einer im hinteren Bereich des prall gefüllten Ladens. Und tatsächlich wirkt es wie eine Miniatur des psychedelischen Ungetüms. Sequenzen aus Menschen, Farben, Körperteilen und ein fast unvermeidlich drein blickendes Auge in bester Big Brother-Manier.

 

 

Das Ungestüme früherer Blackmail-Shows ist kanalisiertem Wahnsinn gewichen. Licht gibt es dezent wenig auf der Bühne. Grün und Blau regieren. Dazu ein paar seltene Stroboskop-Effekte. Waren Blackmail vor fünf Jahren noch eine Band für den relativ unreflektierten Partyspaß, machen sie es dem Hörer und Besucher heute nicht mehr ganz so einfach, in die tieferen Gründe ihrer Musik vorzudringen. "Aerial View" nämlich bewahrt zwar den Überblick, setzt aber im Fluge zu manch vertracktem Loop ("Couldn't Care Less", "Soulblind") an, um sogleich wieder neuen Schwung zu holen, wie im erklommenen Höhenrekord "Today" oder in "Moonpigs". Für "Ken I Die" wird tief, nach "Dental Research" (vom 1999er Album "Science Fiction") sogar noch tiefer in der Geschichte gegraben. Ganz am Schluss jammen sie noch, bis endlich das letzte Licht verlischt. Gelandet. Robert Palmers "Looking For Clues" aus der Konserve. "The Day The Earth Stood Still" für den CD-Player daheim aufgehoben. Pathetisch? Ja, sicher! Kredit? Aufgefüllt!

 

Links:

>> Künstlerinfo Blackmail bei POP FRONTAL

>> CD-Rezension (20.01.06): Aerial View

>> Homepage Blackmail

>> Blackmail: Aerial View - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

Blackmail

Blackmail

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Blackmail

Blackmail

Blackmail @ Hamburg

 

Blackmail: Aerial View

Blackmail: Aerial View

(City Slang / Rough Trade)

 

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