Startseite POP FRONTAL

Gesehen! MTV Campus Invasion 2007 / 16.06.2007, Marburg, Universitätsstadion

Highlight im Dunkeln aus dem Elchland

Text: Claudio Castello      Live-Fotos: Claudio Castello

>> Zur Foto-Galerie

"Rocklastiger als Magdeburg" oder "das beste Line-Up" sagten viele. Dass sich die erste von drei Veranstaltungen der MTV Campus Invasion 2007 in Marburg breit machte, dürfte also nicht nur Uni-Kanzler Dr. Nonne gefreut haben. Denn die musikalischen Gastdozenten aus Schweden, der britischen Insel und heimischen Gefilden brachten neben angemessenem Wetter auch so einiges für die Ohren mit. Ob das Festival dem Rasen des Uni-Stadions gut getan hat? Steht nicht zur Debatte. Wen kümmert's, wenn man unter freiem Himmel feiern und wenigstens einen Tag lang Referate und Hausarbeiten in der hintersten Gewissensecke parken kann.

Mando Diao

Mando Diao

Marburg. Friedlich liegt es da, das Studentenstädtchen an der Lahn, umgeben von Bergen, mit scheinbaren Tannenmonokulturen und einem piekfeinen Schloss. Einen Sturm wie auf die Bastille der Franzmänner haben die alten Steine nie erlebt. Dank der MTV Campus Invasion dürfen sie jedoch zumindest springende Menschenmassen erfahren und eine prima Kulisse abgeben.

Bevor es jedoch nach Pfortenöffnung zu den ganz großen Blockbustern in Sachen Rockkino kommen wird, beginnt ein kleiner Bub von 20 Jahren gegen 16 Uhr im Vorspann seine Fiedel auszupacken. Wer noch immer keinen Schimmer hat, wer oder was Jamie T. ist und an weibliche R'n'B-Sängerinnen mit knappen Höschen denkt, wird endlich eines besseren belehrt. Gekleidet wie ein Holzfäller bestreitet der Londoner mit seiner Band den ersten Teil der musikalischen Vorlesung. Und klingt, dank britischem Akzent, nach Disco und Ska mit verkookstem Gesang und einer kleinen Spritze Reggae. Als Anheizer immer gut. Hier, da und dort wird bereits das Tanzbein geschwungen. Weniger toll: Der Wind spielt Nervensäge. Und sorgt dafür, dass gerne mal Stimmung und Sound verfliegen.

Als dann aber die ersten Töne der Gastdozenten der Hamburger Schule über die Festivalwiese wehen, lässt sich sogar die Sonne blicken. Selbst wer nicht Politik- oder Sozialwissenschaftler ist, feiert Tocotronic. Auch wenn der Wind noch immer ein bisschen zu stark um die Ohren bläst. Nachdem die Jungs gegen Halbzeit "Aber Hier Leben, Nein Danke" gespielt haben, kehrt ein bisschen Ruhe ein. Auf Decken und Isomatten, mit Bier und überteuerten Hotdogs, aber in stets entspannter Atmosphäre. Wer nah genug am Rand sitzt, bekommt auch ab und an mit, wen Senior Kafka oder MTV-Kollegin Mirjam Weichselbraun hoch auf den Wagen vor die Kamera holen.

 

 

Kurz vor sieben dann Newcastle in Marburg: Die Sonne und gut 12.000 Schreihälse begrüßen Maximo Park. Frontmann und Zappelphilipp Paul Smith, geschmückt mit der obligatorischen Melone, singt, springt und lässt dem Publikum keine andere Möglichkeit, als ihm selbiges gleich zu tun. Die neuen Nummern reißen live genauso mit wie Althergebrachtes. Selbst wer den Nachfolger von "A Certain Trigger" noch immer nicht begutachtet hat, kann dank Myspace zur Single mitsingen oder zumindest springen, und die Arme recken, um "Our Velocity" in die Menge zu brüllen. Einziger Wermutstropfen: Kein "Signals And Signs". Und der Sprung mit auseinandergerissenen Beinen ist ausgeblieben.

Wer sich verschwitzt aus dem vorderen Pulk zurückgezogen hat und nicht fast vom Kamerakran erschlagen worden ist, pausiert jetzt erst einmal. Die Quasi-Lokalmatadore aus dem gerade mal 30 Kilometer entfernten Gießen, namentlich Juli, lösen ihre Wetten mit MTV-VJ Kafka ein. Sitz-La-Ola und den Song "Anders" auf einem Bein? Abgehakt. Und das trotz des anfänglich negativen Grundtenors und Buh-Rufen. Ob Sängerin Eva mit ihrem Kleidchen kurz vor dem Auftritt Heiraten oder Balletttanzen gewesen ist, bleibt wohl ihr Geheimnis. Nach Gute-Laune-Pop und zahllosen Plastikbechern, die über das Gelände gewandert sind, verabschieden sich Juli und reiten auf ihrer "Perfekten Welle" nach Hause. Die Sonne sagt ebenfalls so langsam Gute Nacht. Jeder hat halt mal Feierabend.

Für die Campus Invasion-Besucher war der "Feier-Abend" noch nicht vorbei, im Gegenteil. Zur Prime Time kommt das Highlight in der Dunkelheit aus dem Land der Elche und des berühmten Möbelherstellers. Songs wie "Sheepdog" und "Clean Town" lassen auch bei den kleinen Mädels mit Mando Diao-Plakaten die Ellenbogen ausfahren - das Abgehen gestaltet sich aggressiver. Selbst der Rotz-und-Wasser-Rockballade "All My Senses" zollen begeisterte Männergrüppchen ihren Respekt in Form von kräftigem Mitgegröle. Und im Hintergrund das beleuchtete Schloss. Wie romantisch. Kurzzeitiger schwacher Regenfall wird dabei zur unbedeutenden Nichtigkeit. Und Mando-Poser Gustaf Norén wird gefeiert wie ein Rockstar. Berechtigterweise, denn Show und Klangqualität sind 1A. Als Zugabe schicken die fünf das Publikum noch einmal mit einem Schwinger "Down In The Past", bevor es glücklich zurückgelassen wird. Bleibt nicht mehr viel zu sagen. Um die DB zu zitieren: "Willkommen in der Universitätsstadt Marburg an der Lahn". Der Empfang war herzlich, der Aufenthalt hat sich gelohnt. Denn wir haben vielleicht tatsächlich das beste MTV Campus Invasion Line-Up 2007 erlebt.

 

>> Zur Foto-Galerie

 

Links:

>> Festival-Info MTV Campus Invasion Marburg (mit Künstlerinfos) bei POP FRONTAL

>> Festival-Info MTV Campus Invasion Magdeburg (mit Künstlerinfos) bei POP FRONTAL

>> Festival-Info MTV Campus Invasion Freiburg (mit Künstlerinfos) bei POP FRONTAL

>> Homepage MTV Campus Invasion

 

 

Maximo Park

Maximo Park

 

Juli

Juli

 

Tocotronic

Tocotronic

 

Jamie T.

Jamie T.

 

MTV Campus Invasion 2007

MTV Campus Invasion 2007

 

Startseite | Tickets | Konzertsuche: Genres | Konzertsuche: Städte | Konzertsuche: Bands A-Z | Konzertsuche: Festivals |

Magazin | Rundbrief | Live-Tipps | Archiv: Live-Berichte |

Konzerte eintragen | Content-Broking | Impressum | Datenschutz

© POP FRONTAL, 2003-2021; Design by Akupower!