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Gesehen! Nick Cave & The Bad Seeds / 18.11.04, Düsseldorf, Philipshalle

Weltschmerz im violetten Gewand

Text: Carlo G. Reßler   

 

An diesem nasskalten Novemberabend pilgerten trotz hoher Ticketpreise gut 3.500 Fans in die konzertbewährte Philipshalle mit ihrer riesigen Bühne, um Nick Cave, den Magier der Melancholie und seine "The Bad Seeds" live zu erleben. Und sie wurden schon vor seinem Gig belohnt, denn als Support hatte er Mercury Rev mitgebracht – jene erstaunliche Band, die in den 90ern eher psychedelisch daherkam und nun einfach zeitlos-traumschöne und leichte Töne bietet. Leider war ihr von vielen mit Spannung erwarteter Auftritt mit gut 30 Minuten doch recht kurz geraten.

Nick Cave

Schließlich kam Nick Cave dann im tadellosen, eng geschnittenen schwarzen Anzug on Stage und brachte neben den 7-köpfigen Bad Seeds noch ein Gospelquartett mit, welches seinem Konzert einen wunderbar luftigen Background-Groove verlieh. Ausgiebig präsentierte die Band im ersten Teil des knapp zweistündigen Auftritts das neue Doppelalbum "Abattoir Blues / The Lyre of Orpheus", welches ja bekanntlich mit plötzlich "zu vielen Songs" aufgrund fortscheitender Kreativität im Studio entstanden ist. Die anspruchsvoll und einfühlsam gestaltete, dezent-fulminante Lightshow in überwiegend violett und grün gehaltenen Pastelltönen untermalte Caves Stücke über Weltschmerz, Gott und Tod, Verzweiflung und Reue. Diese altbekannten Themen seiner mehr als 20 Jahre Schaffenszeit finden sich natürlich auch auf der neuesten Veröffentlichung, nur mit etwas mehr Leichtigkeit im Ton.

Dazu kommt die tänzerische Leichtfüßigkeit, mit der Mr. Cave seine Liveauftritte seit langem bereichert, sie war und ist immer wieder sehenswert: man könnte meinen, er hätte elastische Kniescheiben aus Gummi eingebaut und den Hüftschwung von Elvis geerbt. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, ihn mit diesen Gospeltänzen dazu noch wild armrudernd und mit grotesken Hüftsprüngen singend und über die Bühne hetzend zu sehen - hin und wieder unterbrochen von seiner eigenen Stakkatofeuer-Begleitung am Bösendorfer-Piano. Richtig in Fahrt kamen die anfangs eher zurückhaltend reagierenden Fans, Meister und Band jedoch hauptsächlich im zweiten Teil des Konzertes, als viele ältere Perlen seines langjährigen Schaffens zu hören waren, u. a. "Weeping Song" – eine Hommage an den schmerzlich vermissten Gitarrenquäler Blixa Bargeld, oder "Shine Song" sowie in den Zugaben das wohl berühmteste Stück "Mercy Seat" und gegen Ende noch die "Cannibal's Hymn".

Anzumerken bleibt, dass Nick Cave bei seinen "neuen" Bad Seeds einfach jemand zur Reibung in der sonst guten Band fehlte – jemand der ihn musikalisch mit neuen Einfällen herausforderte. Der Sound wirkte oft zu glatt, drucklos, vorhersehbar und unentschlossen, ihm fehlte auf Dauer die nötige Spannung. In den Spitzen war das Ganze dann auch noch zu hoch und hart an der Schmerzgrenze ausgesteuert – jedenfalls für die Besucher auf den Rängen. Auf alle Fälle war die Lücke, die der geniale Blixa Bargeld nach seinem Abgang im Frühjahr 2003 hinterlassen hat, für viele, die die "alten" Bad Seeds kennen, deutlich zu spüren und konnte von niemandem richtig gefüllt werden. Als Nick Cave seine Fans nach zwei Stunden wieder in den kalten Novemberregen entließ, war man zufrieden doch verglichen früheren Konzerten nicht wirklich begeistert, und die eher bange Frage nach der Zukunft dieser guten Band stellte sich ein ...

 

Links:

>> Künstlerinfo Nick Cave & The Bad Seeds bei POP FRONTAL

>> CD-Rezension (20.09.04): "Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus" bei POP FRONTAL

>> Homepage Nick Cave & The Bad Seeds

>> Nick Cave: Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus: Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Nick Cave

Nick Cave

 

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Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus

(Mute / EMI)

 

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