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POP FRONTAL präsentiert! Veagaz on Tour

Interview: Sandra Kriebitzsch

Präsentiert von POP FRONTAL gehen die Lo-Fi-Düster-Rocker Veagaz auf Tour, um ihr jüngst erschienenes Album "Gold" vorzustellen. Kurz vor den nächsten anstehenden Konzerten stand uns Sänger und Bassist Tom Schindler in einem ausführlichen Interview Rede und Antwort.

 

Vor einiger Zeit habt Ihr Euer Debüt-Album "Gold" herausgebracht. Die Songs wechseln zwischen Balladen und einigen schnelleren Nummern. Gerade in den langsamen Stücken wird den einzelnen Instrumenten und der Stimme viel Raum zur Entfaltung eingeräumt, die Songs bauen sich langsam und behutsam auf. Euer Sound lässt sich als melodiöse, sphärische, tief unter die Haut gehende Rockmusik bezeichnen, mit einem großen Schuss 70ies-, Surf- und auch Wüstenrock, der dem Ganzen noch eine Prise "Lo-Fi" oder Staub einhaucht. Wie würdet Ihr selbst Eure Musik beschreiben?

Tom: Im Großen und Ganzen kommt das schon gut hin. Das Spannungsfeld unserer Einflüsse liegt zwischen Nick Cave und Iggy Pop, von den Roots her auch laute Geschichten wie Stooges, über Gun Club, Tindersticks, das hört man sicher auch heraus. Das ist die Essenz unseres Klangbilds, aber wir bestehen darauf, das zu machen, was mir machen, ohne dabei Vorbildern hinterherzuhängen.

 

In den Pressestimmen über Euch wimmelt es tatsächlich von Vergleichen mit großen Namen: Nick Cave, David Bowie, Gun Club, The Doors, Tito & Tarantula, Madrugada, Johnny Cash, Beasts Of Bourbon, um die wichtigsten zu nennen. Wie steht Ihr zu solchen Vergleichen?

Tom: Eigentlich sind wir vollkommen im Blindflug an die Band herangegangen, nachdem wir vorher andere Sachen, wie Country, Rock’n’Roll, Splatter, Folk-Kram gemacht haben. Im Prinzip sind wir durch Zufall bei dem gelandet, was es jetzt ist, und haben uns über Einflüsse keine großen Gedanken gemacht. Am Ende sind wir mit Hilfe unserer Promo-Agentur dazu gekommen, die Sache zu verpacken und zu beschreiben. Wir sind, was Einflüsse betrifft, bei Nick Cave und Iggy hängen geblieben. Erstaunlicherweise sind das Sachen, die dann auch von Pressestimmen wieder zurückgekommen sind, und das eigentlich bestätigt haben. Da das erst im Nachhinein passiert ist, als die Musik schon fertig war, ist es eher schmeichelhaft. Daher stören mich die Vergleiche nicht.

 

Du selbst bist Sänger und Bassist. Du hast eine sehr markante tiefe Bariton-Stimme. Hast Du auch gesangsmäßig Vorbilder?

Tom: Allerdings liegen mir die tiefen Passagen gar nicht so sehr, live singe ich oft sogar wesentlich höher. Da kommen nun wieder Sachen, wie Stooges, Cave und Gun Club rein, die alle sehr unterschiedlich singen. Das geht von sehr hohem, heulendem, teilweise nervigem Gun Club Gesang, über ruhige cave-mäßige Passagen bis zu rotzig gesungenen Sachen à la Stooges. Das verbindet sich dann alles.

 

Was sind die Lieblingsbands der einzelnen Bandmitglieder?

Tom: Auf der Website sind unsere persönlichen Favoriten nachzulesen. Bei Jörg, dem Gitarristen, sind es die alten Bowie-Sachen, ältere 60er- und 70er-Jahre-Geschichten - um mal wieder die Stooges zu nennen (lacht). Bei Sven, dem Schlagzeuger, kommen Hardrockeinflüsse hinzu, wie z.B. Kyuss und Danzig. Bei mir sind es The Cure, Fields Of Nephilim, aber auch ältere Industrialsachen, wie Ministry und Neurosis. Von den Geschmäckern her sind wir recht verschieden. Es ist dann wiederum erstaunlich, was dabei herauskommt. Ich unterscheide prinzipiell - auch bei den Bands, in denen ich selbst schon gespielt habe - zwischen Fan-Bands und Bands, die zusammen Musik machen und einfach gucken, was passiert. Bei ersteren wird von Vornherein festgelegt, welcher Sound es sein soll, um eben den Lieblingsbands nahe zu kommen. Das ist bei uns nicht so, und das finde ich auch sehr entspannend.

 

Wie arbeitet Ihr denn zusammen, wer schreibt die Songs?

Tom: Wie haben zwei Songwriter, Jörg und mich, die immer Song und den zugehörigen Text schreiben. Auf der Platte liege ich mit 7 zu 3 vorne (lacht), bei der nächsten kann es schon wieder anders aussehen. Es ist gut, wenn es nicht an einer Person hängt, aber genauso tödlich finde ich es, wenn alle mitmachen wollen und ständig noch irgendwelche Parts reingebastelt werden. Allerdings erarbeiten wir die Songs schon zusammen im Proberaum, der Songwriter schreibt also nicht alles bis ins letzte Detail vor.

 

Die Redaktionsfavoriten sind "Luise" und "Motor Trash". Worum geht es in diesen Songs und wovon handeln Eure Texte generell?

Tom: Unterm Strich kann man sagen, dass der Inhalt unserer Texte nicht wortgenau zu nehmen ist, sondern der Sinn sich mehr im Feeling erschließt. Bei "Luise" geht es um eine verflossene Liebe, bei "Motor Trash" ist es ein Gefühl einer Situation, die ich versucht habe zu reproduzieren: das ist 15 Jahre her, als ich - auch wieder mit einer Verflossenen (lacht) - auf Kneipentour losgezogen bin und wir uns dann ziemlich besoffen vor einer Tankstelle gegenseitig angeblöfft haben. Das ist halt so ein Bild in meinem Kopf, wir orientieren uns beim Songwriting sehr stark an Bildern und Stimmungen, weniger an irgendwelchen Messages.

 

Wann habt Ihr Euch gegründet?

Tom: Jörg und ich haben vorher zusammen bei Reverend Jones gespielt, die beim Hannoveraner Label "Lautspecher" unter Vertrag waren. Da waren z.B. auch Payola und Smoke Blow, eine typische Rock'n'Roll-Schmiede eben, wobei wir mit unserem Country, Blues und Trash eher aus der Jon-Spencer-Ecke kamen. Die Band ist irgendwann auseinandergeflogen, und wir haben dann erstmal alle etwas anderes gemacht. Wir mussten dann als Reverend Jones für die Booking-Agentur noch ein paar Gigs spielen, bei denen war auch Sven, unser jetziger Schlagzeuger, dabei, weil der alte keine Lust mehr hatte. Wir drei haben uns danach zusammengetan, wussten aber intuitiv, dass das diesmal in eine andere Richtung gehen würde. Daher haben wir uns auch umbenannt und spielen keine Reverend-Jones-Stücke mehr. Als Veagaz gibt es uns jetzt seit ca. einem Jahr.

 

Ihr wohnt in Hameln? Wo liegt das genau? Gibt es dort eine Musikszene?

Tom: Hameln liegt im malerischen Weserbergland südlich von Hannover. Kulturell gesehen ist es das verschlafenste Nest, das man sich vorstellen kann. Wenn sich in den letzten Jahren nicht die Freundschaft mit Jörg entwickelt hätte, wäre ich wahrscheinlich schon lange weg gewesen. Das ist schon ein Stück weit die spezielle Konstellation, die uns hier hält, zuzüglich natürlich auch Freundin, Arbeit, Ausbildung, usw. Aber vielleicht werden die Karten irgendwann neu gemischt. Auch wenn es hier unter kulturellen Aspekten ziemlich schrecklich ist, hat die Beschaulichkeit durchaus ihre Qualität – hier kann man sich ganz auf die Musik konzentrieren (lacht).

 

Auffällig ist Euer Cover-/Website-Design. Mir gefällt es sehr gut, allerdings – und auch das gefällt mir gerade – passt dieser etwas technoide, spartanische Stil gar nicht in gängige Rock-Artwork-Klischees. Wie kam es zu dieser Cover-Gestaltung?

Tom: Das Cover-Bild ist gar nicht so steril, in den Kacheln sieht man bei genauer Betrachtung auch Unregelmäßigkeiten. Es ist eine U-Bahn-Station in Prag, Sven ist Fotograf und hatte, als wir zu einem Gig dort waren, das Foto gemacht. Viel später kam das Foto wieder auf den Tisch, und Jörgs Freundin, die Grafikerin ist, hat sich es geschnappt und einen Layout-Entwurf gemacht. Wir fanden, dass die Optik mit dem Gold und auch das leicht Unterkühlte sehr gut zur Platte passt.

 

Im Booklet sind relativ wenig Infos zu finden. Steckt da ein Konzept dahinter?

Tom: Es ist uns wichtig, die Musik ganz nach vorne, und alles, was mit uns als Personen zusammenhängt, nach hinten zu stellen. Ich finde es nervig, wenn Cover bis zum Anschlag vollgedruckt sind mit Danksagungen und Texten. Die Texte gehören zur Musik, das wäre genauso, als würden wir die Noten dazu drucken. Das wollten wir nicht, die Musik sollte für sich stehen, nett verpackt, aber nicht überfrachtet mit Informationen.

 

Wie habt Ihr die Platte herausgebracht? Wie laufen Promotion und Vertrieb?

Tom: Wir machen sehr viel selbst. Von BluNoise haben wir uns den Labelcode "gemietet", weil die Gründung eines eigenen Labels zu aufwändig und auch nicht Ziel der Sache war. Es ging darum, aus der "Demoecke" herauszukommen und in den Zeitungen "richtige" Kritiken zu kriegen. Offiziell läuft das über FinestNoise, die Platte ist aber nicht in den Läden, sondern online über unsere Website, einige Mailorders, eben BluNoise und z.B. Glitterhouse, sowie auf Konzerten erhältlich. FinestNoise machen einen Teil der Promo für uns, aber einen großen Teil machen wir selbst. Die Kritiken bei den größeren Magazinen, wo man mehrmals telefonisch nachhaken muss, haben wir selbst initiiert. Das ist wirklich nervig mittlerweile, weil man da viel hinterhertelefonieren muss und viel Zeit dabei drauf geht.

 

Das klingt richtig nach Arbeit! Eure Tour bucht Ihr auch komplett selbst, bei dem langen Tourplan hört sich das sehr aufwändig an.

Tom: Gut, dass Du nicht mit Jörg sprichst, der würde jetzt einen lauten Seufzer durchs Telefon schicken (lacht). Ich habe damit zum Glück nichts zu tun. Jörg hat das bereits schon für Reverend Jones gemacht, und der macht es einfach super und hängt sich sehr dahinter. Für den Herbst haben wir dann eine Booking-Agentur, wir hoffen, dass die Zusammenarbeit gut funktionieren wird.

 

Ist das Eure erste längere Tour? Wo spielt Ihr? Gibt es eine Tourunterstützung?

Tom: Seit den Zeiten mit Reverend Jones sind wir nicht mehr länger getourt. Unser Ziel ist es schon, möglichst viel zu spielen, weil wir einfach heiß drauf sind. Wir spielen in relativ kleinen Clubs meist mit lokalen Vorbands. Wir haben glücklicherweise Support von der Volkswagen Sound Foundation bekommen, die uns den Bus sponsort. Die Band zahlt dabei keine Automiete, sondern nur die Versicherung und den Sprit, das ist wirklich eine gute Sache.

 

Die Termine ziehen sich von Dezember bis April, sind also recht verteilt. Wie könnt Ihr Euch so oft frei nehmen?

Tom: Gemessen an Reverend-Jones-Zeiten ist der Terminplan sogar sehr konzentriert (lacht). Jörg ist selbständig, ich bin Sozialpädagoge mit einer 20-Stunden-Stelle, das lässt sich alles irgendwie schaukeln. Es ist auch unser erklärtes Ziel, sich voll auf die Musik zu stürzen.

 

Apropos Ziele? Habt Ihr mit Veagaz auch größere Ambitionen?

Tom: Das in einen Status zu bringen, davon leben zu können, ist schon ein Ziel. Aber wenn ich mir die momentane Musiklandschaft und das, was die Labels so machen, angucke, sehe ich eher schwarz. Das heißt nicht, dass ich es nicht trotzdem versuchen möchte. Aber das Ziel ist erst mal die Musik an sich und das kontinuierliche Weiterarbeiten an ihr. Als Konsequenz daraus folgt, mit der Musik umzugehen und das Bestmögliche daraus zu machen. Alles andere wäre Schwachsinn. Ich denke, es gibt noch genug Leute da draußen, die auf unsere Musik stehen könnten.

 

Veagaz

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Veagaz: Gold

Veagaz: Gold

(Schallplattenmanufaktur Hameln/FinestNoise)

 

 

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Veagaz: Cover Artwork

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