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Gesehen! 17. Wacken Open Air / 2.Tag: 04.08.2006

Vom Weckruf des Rühreis bis zu Odins Rache

Text: Stephan Kunze      Live-Fotos: Stephan Kunze

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Was'n das für’n Lärm? Soundcheck? So früh? Kann doch nicht. Dann kam das Wummern und Dröhnen wohl aus dem eigenen Schädel, der sich auf diese Art für die Länge der Nacht sowie für Art und Menge der zugeführten Substanzen erkenntlich zeigte. Also gaaanz vorsichtig aus dem Zelt gekrochen… strahlender Sonnenschein! Nebenan hatte ein Trupp Wikinger sein Trainingslager aufgeschlagen und befand sich trotz der frühen Stunde schon mitten im Kampfgeschehen: in voller Rüstung und Bewaffnung wurde da gemetzelt und gemeuchelt, dass es nur so eine Wonne war.

Amon Amarth

Amon Amarth

Im gut besuchten Frühstückszelt konnte man sich ausgiebig mit belegtem Allerlei, Rührei usw. für einen langen Tag mit prall gefülltem Programm stärken, das sich ab heute auf drei Freilicht- und eine Zeltbühne verteilte. Selbst der Kaffee war sehr lecker, im Gegensetz zu der Plörre, die einem an manch anderem kleinen Stand auf dem Gelände zugemutet wurde. Aber der eine oder andere Besucher meinte ohnehin, mit Bier und Vodka schneller wieder festivaltauglich zu werden. Schnell noch ein Schlendrian über den großen Metal Market, auf dem sich der eingefleischte Fan mit standesgemäßen Accessoires bis hin zum kompletten Hausstand ausstaffieren konnte. Ein aktuelles Wacken-Shirt käuflich erworben, und dann war es auch schon 11 Uhr und damit Zeit für die Opener des Tages.

Mystic Circle auf der Black Stage fackelten nicht lange und feuerten eine Breitseite ab, die für manchen vielleicht ein etwas abruptes Ende der zu kurzen Nachtruhe bedeutete, während gleichzeitig End Of Green auf der Party Stage mit ihrem augenzwinkernden Doom etwas geeigneter für einen allmählichen Einstieg ins Tagesgeschäft aufspielten. Im Gegensatz zu früheren Jahren fiel dabei auf, dass das eigentliche Konzertareal schon zu früher Stunde relativ gut gefüllt war – ein weiteres Indiz für rekordverdächtige Besucherzahlen. Im Anschluss hauchten Wintersun auch der True Metal Stage Leben ein und boten überwiegend getragenen Metalsound, hier und da mit progressiven oder auch schon mal thrashigen Ornamenten verziert.

Tempo und Lautstärke zogen merklich an, als Legion Of The Damned die thrashige Sau rausließen, im Wettstreit mit Born From Pain, die mit ihrem Death-Trash ebenfalls keine Gefangenen machten. Derweil stieg die Stimmung im bunt gemischten Publikum ständig. Die ausgelassene Feierlaune wurde auch dadurch nicht getrübt, dass sich wegen der zunehmenden Schwüle rund um den Ort des Geschehens mehr und mehr bedrohliche Gewitterwolken aufbauten. Es blieb aber bei den Drohgebärden; nur vereinzelte Tropfen verirrten sich ins Publikum, um vor Schreck sofort wieder zu verdunsten.

Im Pressezelt lockten Pharao aus Berlin mit einem Gratis-Zweitfrühstück, um dann mit ihrem ersten Kurzauftritt seit 10 Jahren ihren sympathischen Melodic Metal ohne italienische Knödelmentalität zu präsentieren. Größer angelegt war der Auftritt der Todesmetaller von Six Feet Under, die auf der Black Stage begeistert empfangen und nach ca. einer Stunde und dem abschließenden AC/DC Cover "TNT" nur widerwillig entlassen wurden. Leckere Kost, gut gewürzt! Danach strömte alles zur True Metal Stage, wo Nevermore große Massen in ihren Bann zogen. Auch nett, aber nach Meinung des Schreiberlings verglichen mit dem zuvor gehörten eher etwas fade Schonkost. Derweil punkteten Gorilla Monsoon auf der Wet Stage nicht nur mit energiegeladenem Death-Thrash, sondern auch mit edler Optik: das Gesangsmikro war effektvoll hinter einem extralang gehörnten Tierschädel platziert.

 

 

Die auf Opeth lastenden hohen Erwartungen wurden von den Nordlichtern mühelos erfüllt. Die Jungs um Mikael Akerfeldt (beim letztjährigen W:O:A noch völlig blutverschmiert mit Bloodbath debütierend, im Namen welches HERRN auch immer) sind nicht gerade eine typische Festivalband, zogen aber mit einer ausgewogenen Mischung von hochklassigem, progressiven Death Metal und sehr viel ruhigeren, melancholischen Doom-Phasen soviel begeistertes Volk zusammen, wie vor der Black Stage eben Platz hatte. Für viele war es sicherlich eins der Sahnehäubchen auf der riesigen Festivaltorte. Auch die von Akerfeldt mit schläfriger Märchenonkelstimme häufig eingestreuten Ironiehäppchen machten immer wieder Spaß. So erfuhr man z.B., dass die Gerüchte nicht stimmten, er habe sich mit den Tantiemen der 2001er Scheibe "Black Water Park" ein Schloss in der Schweiz finanziert - nein, also zwei seien es schon gewesen. So langsam wurden auch größere Mengen von Crowdsurfern wach und frönten ihrem Hobby bei strahlender Sonne und bedrohlicher Wolkenkulisse, wobei vereinzelt sogar Luftmatratzen als Unterlage herhalten mussten – es könnte ja regnen!

Auf der True Metal Stage spielten danach die Publikumsmagneten von In Extremo zum Tanz auf. Bei den originellen Mittelalterrockern gab es neben gewohnt guter Musikperformance auch was für’s Auge, soweit man nah genug an den Ort des Geschehens herankam. Vor bzw. auf historischer Schiffskulisse rockten und folkten sich die Recken in originellen Verkleidungen und mit allerlei exotischer Instrumentierung augenzwinkernd quer durchs Mittelalter und wurden von den Massen auf Händen getragen. Dafür verzichtete man diesmal wohl auch wegen dem andauernden Tageslicht auf den üblichen pyrotechnischen Overkill. Korpiklaani dagegen waren mit ihrem Folk-Rentier-Humppa-Metal auf dem etwas überschaubareren, wenn auch bis zum Bersten gefüllten Areal der Party Stage besser aufgehoben. Dem sympathischen Trüppchen machte es keinerlei Schwierigkeiten, die Stimmung zum Kochen zu bringen. Great fun!

Das größte Fanaufgebot des Tages schafften dann Children Of Bodom vor die große Bühne. Hier war aber zunächst der Kampf gegen einige technische Probleme zu gewinnen. Vor allem war der Sound in der Anfangsphase gemessen am Musikstil viel zu leise (vermutlich mussten gerade die Kinder ins Bett), und der Keyboarder verließ mehrfach kopfschüttelnd und gestikulierend die Bühne. Im Verlauf des Auftritts stieg mit dem Sound zwar auch das Stimmungsbarometer, aber so richtig durchzünden wollte das ganze trotz Pyrotechnik und einer Kulisse aus riesigem Pickup, Benzinfässern und ähnlichem Gesumse eigentlich nicht. Ok, aber eben nicht mehr.

Das wollten Ministry besser machen – und taten dabei eindeutig zuviel des Guten. Die Metal-Vollbedienung mit Hang zum Grindcore wurde mit einer derartigen Lautstärke abgefeuert, dass es nur in angemessener Entfernung Spaß machte und große Teile der Fans schlichtweg in die Flucht schlug. Zum Leidwesen aller Fotografen kam wie schon zuvor bei Celtic Frost, die sich weitgehend im Dunkel der Nacht versteckten, trotz archaischer Kostümierung auch optisch nicht viel bei rum. Das einzige Lichtangebot wurde in Form von übertriebenen und auf die Dauer ermüdenden Strotoskopeffekten in die sich lichtenden Reihen gepulst

Dass es auch anders geht, bewiesen Amon Amarth, die auf der Black Stage einen würdigen Schlusspunkt hinter einen gelungenen Festivaltag setzten. Der wohlgenährte Johan Hegg stanzte den immer noch metalhungrigen Nachtschwärmern seinen Wikinger Death Metal in bestem Sound und mit guter Lightshow ins Gehör. Und hier gab es dann auch ein Wiedersehen mit den eingangs erwähnten Wikingern. Mit passender musikalischer Untermalung lieferten sich die, die das Tagestraining überlebt hatten, mit funkensprühenden Schwertern und Äxten allerlei Einzelscharmützel und Gruppenkeile.

Wer jetzt die zurückliegenden 16 Stunden Musik voll ausgekostet hatte, brauchte sich nicht zu schämen, der empfindlich kalt werdenden Nacht leicht angezählt in Richtung Zelt zu entfliehen.

 

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Links:

>> Festival-Info Wacken Open Air 2006 (mit Künstlerinfos) bei POP FRONTAL

>> Homepage Wacken Open Air

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2005 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2004 bei POP FRONTAL

 

Mystic Circle

Mystic Circle

 

Born From Pain

Born From Pain

 

Six Feet Under

Six Feet Under

 

Gorilla Monsoon

Gorilla Monsoon

 

Opeth

Opeth

 

In Extremo

In Extremo

 

Children Of Bodom

Children Of Bodom

 

Ministry

Ministry

 

Amon Amarth

Amon Amarth

 

Horny Henry

Horny Henry

 

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