Joe Strummer: The Future Is Unwritten (DVD, 120 min)

Joe Strummer: The Future Is Unwritten (Indigo)

Trent Reznor wollte seine Live-DVD schon nicht „With Teeth“ nennen – Julien Temple wäre wohl nicht ansatzweise auf die Idee gekommen. Denn auch wenn seine beeindruckende Doku-Collage über The Clash-Frontmann Joe Strummer nie ins Glorifizierende abzurutschen droht: sich über die Mundruine des bissigen Punkrock-Warlords zu mokieren (und sei es mit hintergründigem Witz, etwa in Anspielung auf die schon in Kindertagen sehr ausgeprägte rebellische Ader seines Protagonisten), bot sich zu keinem Zeitpunkt an. Selbst der kommerziellste Popkonsument sollte nach Sichtung dieses nie vermissten, aber schlussendlich dringend notwendigen Filmdenkmals eins kapiert haben – Punkrock's not dead. Und echte Helden sterben nie. Joe Strummer starb viel zu früh. Mit 50, an einem nie diagnostizierten Herzfehler. Der schmerzliche Verlust, die Lücke, die der schillernde Diplomatensohn hinterließ, wird deutlich, ohne auch nur eine einzige Filmszene gesehen zu haben. Denn die leise, weil im Film-Titel versteckte Widerlegung der plumpen Punk-Parole „No Future“ erklärt Strummer, seine nie auszuradierende Bedeutung für die Nachwelt und seine kritische Sicht der Dinge im Kern. Echtes Charisma ist selten geworden. Aktuelle Popikonen können darüber mit viel Bühnenzauber oder Weltverbesserungsgelaber hinweg täuschen. Strummer hatte dergleichen nicht nötig. Aber geben wird es sie immer, die unverfälschten Originale. Selbst, wenn sie nur im Herzen weiterleben.